Die künstlichen Inseln Langlütjen I und II, die vor der Küste Bremerhavens im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer liegen, haben eine bewegte und düstere Vergangenheit. Auf einer Fläche von insgesamt 33.000 Quadratmetern erzählen die Inseln Geschichten, die bis ins Jahr 1869 zurückreichen.

Ursprünglich als militärische Einrichtungen konzipiert, wurde Langlütjen I zwischen 1869 und 1870 von der preußischen Marine als Küstenfort errichtet. Dieses sollte Schutz vor feindlichen Angriffen bieten. Mit seiner neunstufigen Geschützbatterie und dem strategischen Standort konnte die Insel eine wichtige Rolle im Verteidigungssystem der Wesermündung spielen. Der Bau erforderte eine logistische Meisterleistung: Baumaterialien mussten über einen 1,6 Kilometer langen Damm transportiert werden, der nur bei Ebbe zugänglich war. 1871 wurde die Insel mit 21-Zentimeter-Geschützen in Betrieb genommen.T-Online berichtet darüber.

Die dunkle Geschichte von Langlütjen II

Langlütjen II, die zwischen 1872 und 1876 erbaut wurde und einen ovalen Grundriss aufweist, kam einige Jahre später hinzu. Diese Insel wurde ebenso als Fort konzipiert und konnte ebenfalls bis zu 100 Soldaten autark beherbergen. Mit 28-Zentimeter-Geschützen ausgestattet, war er in der Lage, die Bremer Häfen zu schützen. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg verlor die Festung jedoch ihre militärische Bedeutung. Ab 1933 wurde Langlütjen II von der Gestapo als Schutzhaftlager genutzt. Dort wurden bis zu 100 politische Gefangene interniert und erlitten unmenschliche Bedingungen, die die Insel infam machten. Die Schreie der Gefangenen waren Berichten zufolge selbst bis zum Ufer zu hören. Diese Gräueltaten führten dazu, dass die Insel als „Teufelsinsel“ und „KZ unter dem Meer“ bekannt wurde, so Wikipedia.

Besucher der Insel wurden einst mit Warnschüssen vertrieben, und die Unterbringung der Gefangenen wurde aus Kostengründen nach kurzer Zeit eingestellt. Heute ist den Inseln nur noch ein gewisses touristisches Interesse beschieden, da sie aufgrund ihres baulichen Zustands für den allgemeinen Zugang gesperrt sind. Geführte Wattwanderungen ermöglichen jedoch einen Blick auf die Inseln aus sicherer Entfernung, berichtet die Kreiszeitung.

Die Gegenwart der Inseln

Langlütjen I und II sind heute Plätze, die von der Natur zurückerobert werden. Die Vegetation auf den Inseln, die auf nährstoffreiche Böden hinweist, bietet vor allem Vögeln einen Rückzugsort und macht sie zu einem kleinen Paradies im Wattenmeer. Der Zustand der Festungsanlagen hat sich hingegen seit den 1970ern stark verschlechtert. Bei Niedrigwasser fallen die Inseln trocken und können sowohl zu Fuß als auch im Boot erreicht werden. Langlütjen I ist über einen Damm mit dem Festland verbunden, während Langlütjen II gemäß nationaler Vorschriften als Baudenkmal unter Schutz steht.

Seit 2005 sind die Inseln im Besitz einer Geschäftsfrau aus Oldenburg, die mit Plänen zur touristischen Nutzung liebäugelt, aber der bauliche Zustand bleibt eine Herausforderung. Die Frage bleibt, wie diese geschichtsträchtigen Orte in Zukunft genutzt werden können, während die Erinnerung an die dunkle Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten darf.