Die Stadt Bremen hat einen neuen literarischen Schatz: Claus Schroll hat ein mit viel Hingabe verfasstes Buch über das einst prächtige Norddeutsche Lloyd-Verwaltungsgebäude veröffentlicht. Auf knapp 600 Seiten erzählt das Werk nicht nur von der Baugeschichte, sondern beleuchtet auch die Nutzung und die Umgestaltung des historischen Gebäudes, das 1969 abgerissen wurde, um Raum für ein Kaufhaus zu schaffen. Schrolls Bücherwunsch war es, die Geschichte des Lloydgebäudes zu bewahren, was ihm mit zahlreichen historischen Fotos und einer umfangreichen Recherche bestens gelingt. Doch die Suche nach Informationen gestaltete sich als wahrer Kraftakt, denn der Architekt Johann Georg Poppe, der die Pläne für den Bau entworfen hat, hinterließ keinerlei Aufzeichnungen. Ein Umstand, der die Recherchen zusätzlich erschwerte.
Die Aufarbeitung dieses verlorenen Stücks Bremer Geschichte hat Schrolls Interesse geweckt, und zwar durch das provokante Buch „Wird Bremen immer häßlicher?“ von Klaus Warwas. Schroll nimmt klar Stellung zu der radikalen Umgestaltung Bremens in den letzten Jahrzehnten, die oft mit der Abreißung historischer Gebäudesubstanz einherging. Mit der Schilderung der architektonischen Details des Gebäudes, etwa den kunstvollen Friesen und der ausgeklügelten Steinmetzarbeiten, weckt er nicht nur das Interesse von Architekturfreunden, sondern verknüpft auch die Bedeutung historischer Bauwerke mit dem Tourismus und der Identität Bremens.
Eine verpasste Chance für die Stadt
Das Buch, das im Kellner Verlag für 55 Euro erhältlich ist, lässt die Leser in das Bremen der Seefahrt und des Handels eintauchen. Ein eindrucksvolles Kapitel widmet sich den letzten Tagen des Gebäudes, in denen Fotos vom Jahr 1968 die opulente Pracht des Lloydgebäudes zeigen. „Das war eine verpasste Chance für die Stadt“, reflektiert Schroll über den Abriss. Der damalige Senatsbaudirektor Franz Rosenberg plante einen neuen Bauhof – dieser Wunsch blieb jedoch unerfüllt.
Schrolls Erzählung tut mehr, als nur die Vergangenheit zu veranschaulichen. Er schafft ein Bewusstsein für die Wichtigkeit historischer Gebäude, die zur Identität einer Stadt und deren Anziehungskraft für Touristen beitragen. Die Brücke zu anderen bedeutenden Bauwerken in Bremen wird klar: Wie wichtig es ist, auch die Geschichten und Architekturen zu schützen, die längst nicht mehr existieren. Ein Blick auf die Liste bedeutender Bremer Bauwerke zeigt, dass viele dieser beeindruckenden Bauwerke längst dem Verfall oder der Modernisierung geopfert wurden.
Resümee
Insgesamt lässt sich sagen, dass Claus Schrolls Buch über das Norddeutsche Lloyd-Verwaltungsgebäude eine tiefgehende Hommage an ein Stück Bremer Geschichte darstellt. Mit einem klaren Appell an die Bürger und Entscheidungsträger, den Stellenwert historischer Bauten nie aus den Augen zu verlieren, gibt Schroll dem Leser sowohl einen nostalgischen als auch nachdenklichen Blick auf die bauliche Entwicklung Bremens. Mit einem guten Händchen und einer kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte, zeigt er, dass vor allem der respektvolle Umgang mit dem Erbe der Stadt im Vordergrund stehen sollte.



