Die Gastronomie in Bremen sieht sich derzeit mit einer Vielzahl an Herausforderungen konfrontiert. Steigende Kosten für Energie, Miete und Lebensmittel setzen den Betrieb vieler Lokalitäten zu. Laut dem Weser-Kurier berichten die Gastronomen von spürbaren Einbußen, die vor allem durch die Inflation und die angespannte Personalsituation verstärkt werden. Nathalie Rübsteck, Geschäftsführerin des Dehoga Bremen, hebt hervor, dass der Fachkräftemangel nach wie vor ein großes Hindernis darstellt.

Die Erhebung des Statistischen Bundesamtes zeigt alarmierende Trends: Die Umsätze im Gastgewerbe sind bundesweit im August 2023 real um 2,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gefallen, während zahlreiche Betriebe gezwungen waren, ihre Preise aufgrund gestiegener Kosten zu erhöhen. In Bremen spürt Rycarda Geffken, Inhaberin des Restaurants „Zur Schleuse“, die brisante Lage hautnah. Nach dem Tod ihres Mannes vor zweieinhalb Jahren musste sie mit ihrem Team über die Zukunft des Restaurants beraten. Aktuell beschäftigt sie 20 Mitarbeiter, hat jedoch auch die Speisekarte sowie die Öffnungszeiten einschränken müssen.

Kreativität trotz Krisenstimmung

Doch nicht alle sind bereit aufzugeben. Trotz der schwierigen Bedingungen zeigen viele Gastronomen in Bremen Engagement und kreative Lösungen. Andreas Baier, der Inhaber der Worpsweder Hammehütte, hat seinen Betrieb neu aufgestellt und einen Räucherofen angeschafft, um frische norddeutsche Küche zu bieten. Auch Marc Israel, der Inhaber des Landhauses Wörpedorf, setzt auf ausgezeichneten Service und kulinarische Highlights. Gleichzeitig wünschen sich viele Gastronomen, unter ihnen Margret und Herbert Kohlmann vom Restaurant „Zum Dorfkrug“, eine Rückkehr zum gesenkten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent, um die Belastungen besser abfedern zu können.

Die Entwicklungen zeigen auch, dass die Kunden immer preissensibler werden, was den Gastronomen die Möglichkeit nimmt, die gestiegenen Kosten weiterzugeben. Dies ist eine Herausforderung, die nach Meinung von ZDF Heute nicht nur Bremen betrifft, sondern auch viele Regionen bundesweit. Der Gaststättenverband Dehoga merkt an, dass diese Kaufzurückhaltung ein zusätzliches Risiko für die Gastronomie darstellt.

Fachkräftemangel als Dauerbrenner

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt bleibt angespannt. Trotz einer leichten Entspannung im Fachkräftemangel, berichtet Tagesschau, dass Viele Gastronomiebetriebe weiterhin Schwierigkeiten haben, geeignetes Personal zu finden. Besonders gefragte Berufe wie Köche und Servicekräfte sind rar, sodass viele Betriebe auf ungeschultes Personal zurückgreifen müssen oder gar den Einsatz von Fertiggerichten erhöhen. Die Umstellung auf einfache Gerichte ist eine gängige Praxis, die viele Wirte anwenden, um den Betrieb trotz der personellen Engpässe aufrechtzuerhalten.

Zusätzlich sind die Löhne ein sensibles Thema, insbesondere mit dem Mindestlohn, der bis 2026 auf 14,60 Euro pro Stunde steigen soll. Dies stellt die Gastronomie vor neue Herausforderungen, wenn es darum geht, eine tragfähige Personalstruktur aufzubauen.

Die Entwicklungen der letzten Monate zeigen, dass die Bremer Gastronomie ein kreatives Feld ist, in dem trotz widriger Umstände ein echter Überlebenswille herrscht. Der Erfolg vieler Betriebe hängt davon ab, wie gut sie sich anpassen und innovative Konzepte entwickeln, die den aktuellen Herausforderungen gerecht werden können. Die Frage bleibt, wie lange sie diesen Spagat aufrechterhalten können.