Im Landkreis Verden leben zwischen 2.500 und 3.000 Jesiden, die sich nach einem eigenen Gemeindezentrum sehnen. Die jesidische Gemeinde Mala Ezidiya hat es bisher nicht geschafft, einen passenden Standort zu finden. Stattdessen sind die Mitglieder auf Räumlichkeiten in Bad Fallingbostel, Celle und Bergen angewiesen, insbesondere wenn es um wichtige Trauerrituale geht, die in ihrer Kultur viel bedeuten. Dieser Mangel an eigenen Räumen ist ein drängendes Problem, das die Gemeinde seit Jahren verfolgt. Bereits seit Anfang der 2000er-Jahre bemüht sich die Gemeinde um ein eigenes Zentrum, doch die Suche blieb bislang ergebnislos. Eine Voranfrage für ein Grundstück in der Samtgemeinde Thedinghausen brachte keine Erfolge. Bürgermeister Rainer Ditzfeld erklärte kürzlich, dass derzeit keine geeigneten Gebäude oder Grundstücke zur Verfügung stünden. Laut Kreiszeitung plant die Gemeinde jedoch weiter und hat schon Ideen für ein Zentrum, das eventuell auch in einem bestehenden Gebäude umgesetzt werden könnte.
Die geplanten Räumlichkeiten sollen einige wichtige Funktionen erfüllen: ein großer Saal für Versammlungen, eine Küche, ein Waschraum und ein Gruppenraum. Ideal wäre eine Fläche von 600 bis 700 Quadratmetern, wobei auch ausreichend Parkplätze notwendig wären. Die Gemeinde zeigt sich flexibel und ist offen für Standorte in Wohn- oder Industriegebieten, solange diese gut erreichbar sind. „Wir möchten einen Ort der Begegnung schaffen, auch für Andersgläubige“, so ein Gemeindemitglied. Daher plant die Gemeinde, Angebote wie Deutschkurse und Religionsunterricht für Kinder und Jugendliche anzubieten. Aktuell feiert die jesidische Gemeinde ihr jährliches Fest im Diamant Event-Palast in Blender, wo sich die Mitglieder versammeln und die Kultur lebendig halten können.
Ein starkes Gemeinschaftsgefühl
In Niedersachsen existieren aktuell nur sechs bis sieben jesidische Gemeindezentren. Während die Gemeinde in Verden nach einem eigenen Zentrum sucht, hat sich in der benachbarten Stadt Celle die größte jesidische Gemeinde Deutschlands etabliert, die viele Flüchtlinge aus der Region anzieht. Celle bietet historisch gesehen einen sicheren Hafen für Flüchtlinge, was auch den Jesiden zugutekommt, die seit den 1970er-Jahren und verstärkt nach 2014, vor Konflikten in Syrien und dem Irak geflüchtet sind. Wie Deutschlandfunk Kultur berichtet, haben sich viele Jesiden, darunter Behcet Kizilyel, der vor 50 Jahren in Celle ein neues Leben begann, gut integriert.
Das Ezidische Kulturzentrum in Celle bietet Sprach- und Religionsunterricht sowie Musik- und Folklorekurse an. Diese Angebote helfen, die Kultur zu bewahren und den Anschluss an die Gesellschaft zu finden. Die Trauerrituale der Jesiden, die oft mehrere Tage dauern, unterstreichen die tiefe Verankerung ihrer Traditionen. Scheich Huseyin Ulucan, der seit 40 Jahren in Celle lebt, betont die Wichtigkeit dieser Rituale und die Herausforderungen der Integration in eine neue Kultur.
Trotz der Schwierigkeiten, die die Gemeinde in Verden erlebt, ist das Gemeinschaftsgefühl stark ausgeprägt. Die Jesiden engagieren sich nicht nur in eigenen Kreisen, sondern auch in der Gesellschaft, wo sie ihre Erfahrungen und Fähigkeiten einbringen. Sie möchten Teil der Gemeinschaft sein und einen wertvollen Beitrag leisten – ein Ziel, das mit einem eigenen Zentrum in Verden greifbar werden könnte.





