In Bremen wird heute ein besonderes Jubiläum gefeiert: Der 150. Geburtstag der bedeutenden Malerin Paula Modersohn-Becker. Ihr Werk ist in der Kunstwelt anerkannt, doch viele ihrer Schöpfungen erlangten erst nach ihrem viel zu frühen Tod große Bekanntheit. Da wird es spannend, wie der ehemalige Direktor der Kunsthalle Bremen, Wulf Herzogenrath, seine persönliche Verbindung zu Modersohn-Becker sieht.

Herzogenrath, der die Kunst der Malerin seit 1950 kennt, beschreibt ihre Arbeiten als „konzentriert, formal vereinfacht und menschennah“. Er ist davon überzeugt, dass Modersohn-Becker mit ihren kreativen Ansätzen eine Art Vorausweisung auf die Moderne um 1910 gab. Seine besondere Bewunderung gilt dem „Selbstporträt mit blauer Iris“, das in der Kunsthalle Bremen ausgestellt ist und bereits 2007 Teil der Ausstellung „Paula in Paris“ war.

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Einen Ausblick auf die Kunst

Wulf Herzogenrath, mittlerweile 81 Jahre alt und als Experte für Videokunst und das Bauhaus bekannt, regt in einer festlichen Geste ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk an. Er schlägt vor, das Originalbild „Zwei Tahitianerinnen am Strand“ von Paul Gauguin in Hawaii zu besuchen. Ein schöner Gedanke, der auch die Geschichte verbindet, da dieses Bild seit 1993 in der Honolulu Academy of Arts zu sehen ist.

Das Treffen mit Kunst, das Herzogenrath als Kind mit seinem Onkel Wulf Schäfer in der Kunsthalle Bremen erlebte, hat seine Wahrnehmung von Modersohn-Becker nachhaltig geprägt. Trotz der vielen 750 Gemälde und 1.000 Zeichnungen, die Paula im Laufe von nur zehn Jahren schuf, zeigte sie nur wenige ihrer Werke zu Lebzeiten, um der Kritik zu entkommen. Dies macht ihren frühen Tod, der sie nur 31 Jahre alt werden ließ, umso tragischer.

Unbeachtete Meisterwerke

Nach ihrem Tod am 22. November 1907 sichten ihr Ehemann Otto und ihr Freund Hans Vogler ihren Nachlass und entdecken zahlreiche Arbeiten, die die Künstlerin im Verborgenen gehalten hatte. Diese Entdeckung verdeutlicht, dass ihre grüne Kreativität und der Drang, etwas Einzigartiges zu schaffen, noch lange nicht am Ende waren. Paula Modersohn-Becker war noch in der Anfangsphase ihrer künstlerischen Entwicklung, was einen schmerzhaften Verlust für die Kunst darstellt.

In ihren Tagebüchern äußerte sie sich voller Hoffnung und Überzeugung, dass sie den „richtigen“ Weg ging. Die Entfaltung des Lebenswerks dieser beeindruckenden Künstlerin ist ein eindrücklicher Beweis dafür, dass wahre Kunst oft erst viel später Anerkennung findet.

Wulf Herzogenrath hat mit seinem Leben für Kunst und Kulturerbe schon viel erreicht und ist auch heute noch eine Stimme, die an die Kraft von Modersohn-Beckers Werk erinnert. Setzt man sich mit ihrer Kunst auseinander, kommt man schnell ins Staunen – und wird von einem tiefen Gefühl inspiriert, das weit über die Zeit hinausgeht.