Am Theater Bremen dreht sich derzeit alles um das brisante Thema „Raub. Verladene Erinnerungen“. Unter der Regie von Melina Spieker wird in dieser eindrucksvollen Inszenierung die dunkle Geschichte der Bereicherung Bremer Bürger an jüdischem Eigentum während der Nazizeit beleuchtet. Diese Thematik ist insbesondere relevant, da das Bremer Speditionsunternehmen „Kühne und Nagel“ eine zentrale Rolle beim Transport von Raubgut nach Bremen spielte. Im Rahmen des Stücks kommen Schmuck, Kunstwerke und Möbel von deportierten jüdischen Familien zur Sprache, und die Inszenierung stützt sich auf akribische historische Recherchen sowie originale Akten und Dokumente aus Familienarchiven. Besonders hervorzuheben ist, dass Barbara Maass, die Enkelin von Adolf Maass, einem ehemaligen Teilhaber von Kühne und Nagel, zur Quelle dieser Erzählungen beiträgt. Buten un binnen berichtet, dass die chronologische Erzählweise von 1890 bis 1945 einen klaren Fokus auf die Arisierungsgeschichte Bremens legt.
Die Inszenierung ist nicht nur eine Rückschau auf die Vergangenheit. Ein Drittel des Stücks widmet sich der gegenwärtigen Situation in Bremen. Auszüge von Filmsequenzen ergänzen die Aufführung und verstärken die emotionale Wirkung der thematisierten Geschichte. Henning Bleyl von der Heinrich-Böll-Stiftung Bremen hebt hervor, dass Bremen eine entscheidende Rolle bei der Arisierung spielte, wobei etwa 30.000 Waggons und über 600 Frachtschiffe mit jüdischem Eigentum nach Deutschland gebracht wurden. Kühne und Nagel war tief in die sogenannten „M-Aktionen“ verwickelt, die die Enteignung jüdischer Wohnungen zur Folge hatten. Es soll auch ein Mahnmal an der Wilhelm-Kaisen-Brücke an diese Ereignisse erinnern, um das kollektive Gedächtnis der Bremer Bevölkerung wachzuhalten.
Ein Mahnmal für die Erinnerung
In diesem Kontext setzt sich auch das neu geplante „Arisierungs“-Mahnmal auseinander, dessen Einweihung für den 10. September 2026 geplant ist. Das Mahnmal thematisiert die Verdrängung und Ausplünderung jüdischen Eigentums und wird eine tiefen Schacht aufweisen, der die Abwesenheit von Geschichte symbolisiert. Schattenrisse an den Wänden werden die unsichtbaren Verluste sichtbar machen. Laut taz.de hat die Bremische Bürgerschaft das Mahnmal als Teil eines Projektes zur Förderung der Erinnerung an die Verbrechen des NS-Regimes beschlossen.
Uwe Bielang, Regionalleiter von Kühne + Nagel, hat bei einem Stadtteilbeirat Bedenken geäußert über die Diskussion um die problematische Unternehmensgeschichte während der NS-Zeit. Das Unternehmen sieht sich in einem Dilemma, da es zeitgleich seine Geschichte aufarbeiten und an einem Bauprojekt in der Innenstadt arbeiten möchte. Klaus-Michael Kühne, der Mehrheitsaktionär, hat sich wiederholt gegen die Notwendigkeit einer intensiven Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit ausgesprochen, was zu Reifen und Unmut führt. Während dieser Zeit war Kühne und Nagel aktiv in die Ausplünderung jüdischen Eigentums involviert, wozu auch Zwangsverkäufe und die Verwertung in den besetzten Gebieten gehörten Wikipedia.
Die Inszenierung und das geplante Mahnmal führen uns vor Augen, dass die Aufarbeitung dieser dunklen Kapitel weiterhin notwendig ist. Melina Spieker betrachtet ihren zeitlichen Abstand zur Geschichte als Vorteil, um eine differenzierte Sichtweise in die Theateraufführung einzubringen. Es ist ein Appell an die Bevölkerung, sich mit der eigenen Geschichte zu beschäftigen, den Verlust von Kulturgütern zu erkennen und die Lehren daraus mitzunehmen.