Was passiert, wenn ein Lottogewinner mit 1,8 Millionen D-Mark plötzlich ins Rampenlicht tritt und es nicht schafft, damit ein glückliches Leben zu führen? Das Schicksal von Oliver Intemann aus Bremen ist sowohl faszinierend als auch tragisch. Der pensionierte Lottogewinner, der 1994 als Glückspilz galt, hat sich in den letzten Jahren zu einem Geschichtenerzähler entwickelt, der die Höhen und Tiefen seines Lebens auf den Bühnen der Stadt präsentiert.
Im Jahr seines Gewinns nahm das Leben des damals unbekannten Mannes eine dramatische Wende. Nach dem Gewinn kündigte Intemann seinen Job bei der Post und versuchte sich in verschiedenen Berufen, darunter als Taxiunternehmer und Gastronom. Doch wie so oft, wenn der Geldsegen plötzlich kommt, war bald die Euphorie verflogen. Intemann verschenkte beträchtliche Summen an Familie und Ex-Partnerinnen, was schließlich zu einem rasanten finanziellen Niedergang führte.
Der Weg zum Abgrund
Im Jahr 2000 erlebte er eine schmerzhafte Trennung, die ihn zusätzlich belastete. Ab diesem Zeitpunkt begann er, seine Besitztümer zu verkaufen. 2005 war der einstige Millionär bankrott und musste in eine Notunterkunft ziehen, ein Tiefpunkt, der die Medien in seinen Bann zog. In einem drastischen Schritt versteigerte er seine Glatze als Werbefläche auf eBay, was ihm sowohl Aufmerksamkeit als auch einen kurzen Mediensturm einbrachte.
Inmitten von all dem Kummer erlebte Intemann seine Scheidung im selben Jahr und fand sich ohne Perspektive wieder. Doch wie das Leben so spielt, kam es irgendwann zu einem Wendepunkt. Er fand eine neue Unterkunft in einer Wohngemeinschaft in Wätjens Schloss und konnte langsam wieder Fuß fassen.
Die Kunst des Erzählens
Nach dem Tod seiner geliebten Hündin Patty im Jahr 2019 erlebte Intemann einen emotionalen Rückschlag und fiel in ein Burnout. In dieser schweren Zeit entdeckte er jedoch seine Leidenschaft für das Geschichtenerzählen. Von da an trat er in verschiedenen Kleinkunstbühnen auf und fand sein neues Zuhause im Vegesacker Geschichtenhaus. Es scheint fast so, als ob er durch die Kunst der Erzählung zu seinen Wurzeln zurückfand.
Heute jongliert Oliver Intemann neben seinen Auftritten weiterhin mit dem ganz normalen Lebensalltag und hat sich eine Anstellung als Auslieferungsfahrer gesichert. In seinen Erzählungen betont er eine wichtige Lektion: „Geld ist nicht alles im Leben.“ Erst nachdem er alles verloren hatte, begann er, das wahre Leben in seiner ganzen Fülle zu schätzen.
Seine bewegende Lebensgeschichte wurde nicht nur in der bremerischen Kulturszene, sondern auch in der weiteren Öffentlichkeit bekannt – sein Weg vom Lottogewinner zum Geschichtenerzähler ist eine eindrucksvolle Erzählung über den Umgang mit schicksalhaften Wendungen. Spot Bremen berichtet von den Möglichkeiten, die sich für ihn auftaten. Auch auf Verbraucherschutzforum Berlin wird sein albernes, aber auch lehrreiches Leben thematisiert. In den Erzählungen von Intemann schwingt eine melancholische Wahrheit mit: das Leben kann schneller drehen, als man denkt.



