In Bremen-Walle ist die Stimmung angespannt. Die Anwohnerinitiative „Es reicht!“ fordert die Verlegung der Ameos-Poliklinik, die täglich zwischen 300 und 350 ehemals heroinabhängige Patienten mit Methadon versorgt. Immer wieder berichten die Bewohner von Einbrüchen, Diebstählen und einer aggressiven Atmosphäre, die seit der Eröffnung der Methadonversorgung um sich greift. Besondere Sorgen bereiten die Probleme in dem Wohnviertel zwischen der Haltestelle Haferkamp und dem Meta-Sattler-Tunnel. Der Mietvertrag der Poliklinik wird immer noch monatlich verlängert, obwohl ursprünglich eine temporäre Lösung angestrebt war, wie der Weser-Kurier berichtet.
Die Initiative hat Unterstützung durch den Waller Beirat gefunden, der sich mit Hunderte gesammelten Unterschriften hinter das Anliegen der Anwohner stellt. Alle Fraktionen, einschließlich der SPD, FDP und Linksfraktion, sind sich einig in ihrem Wunsch nach einer nachhaltigen Lösung. Diese schließen nicht die absolute Schließung der Poliklinik ein, sondern betonen den Wunsch nach einer gemeinsamen Lösung, wie Anwohnerin Susanne Luerßen-Semken klarstellt. Ein Runder Tisch mit Experten zur Lösungsfindung könnte der nächste Schritt sein.
Ein Ruf nach Klarheit und nachhaltigen Lösungen
Die Unklarheit über die Entscheidungsprozesse bezüglich der Zukunft der Methadonversorgung schürt auch Gerüchte; eines besagt, dass ein zehnjähriger Mietvertrag in Planung sei. Der Sozialausschuss hat nun die Klärung dieser Fragen in einer Sitzung am 18. März auf die Tagesordnung gesetzt, um Licht ins Dunkle zu bringen.
Um die Situation der Drogenabhängigen in Deutschland umfassend zu betrachten, werfen die Entwicklungen in Walle ein Licht auf eine größere Problematik. Laut einem Bericht von Tagesschau breitet sich besonders das Crack-Konsum angespannt über die deutschen Städte aus, was zu einem immer höheren Druck auf die Hilfsstrukturen führt. Der Suchtforscher Daniel Deimel spricht von einer massiven Verelendung von Abhängigen, während gleichzeitig 75 % der deutschen Suchthilfeeinrichtungen unterfinanziert sind.
Drogenpolitik im Umbruch
Dabei scheint es an politischen Lösungen zu mangeln. Der Paritätische fordert in seinem Positionspapier eine neue nationale Drogen- und Suchtstrategie sowie die gesetzliche Absicherung der Finanzierung von Suchtberatungsstellen. Es ist unerlässlich, dass auch die Kommunen mehr Verantwortung übernehmen und nicht nur auf die Zahlungen des Landes angewiesen sind. Vorschläge wie ein „Sucht- und Präventionsfonds“ aus Abgaben auf legale Suchtmittel könnten helfen, die Hilfsangebote zu stabilisieren und auszubauen.
Die Herausforderungen, vor denen die Anwohner in Walle stehen, sind ein Spiegelbild der großen Probleme, die im deutschen Suchthilfesystem bekämpft werden müssen. Durch die Schaffung von Drogenkonsumräumen und innovativen Maßnahmen wie Drug-Checking könnte man ein Stück weit Entlastung schaffen und zugleich eine neue, vernünftige Drogenpolitik etablieren. Doch dafür ist politischer Mut gefragt.